Der Weg ist das Ziel

Als Zeichen meiner uneingeschränkten Hochachtung für die zuckerbäckerische Höchstleistung habe ich den „Küchenlehrling“ mit ins heimische Ostwestfalen genommen.

Der zweite Mai hat mich zum Glück auch schon mit Sonne am viel zu frühen Samstag geweckt. Doch der Markt wartet ausschließlich am frühen Morgen mit einer unverleichlichen Atmosphäre auf: die Beschicker und Verkäufer sind tiefenentspannt, es herrscht eine gewisse Ruhe vor dem Sturm der Kaufwilligen, die ab zehn Uhr den Platz rund um die Nikolaikirche bevölkern. Dann ist das Sehen und Gesehen werden fast noch wichtiger als der Erwerb frischen Gemüses und all der anderen Leckereien.

Also schnell raus aus den Federn und ab auf die Landstraße. Eine Autobahn ist im Umkreis von sechzig Kilometern nicht zu finden. Das macht den ursprünglichen Charme der Region auch aus. Hier ist man zwangsläufig schon entschleunigt.

Auf dem Hinweg gab es dann neben frühlingshaften Landschaftsansichten auch eine kurze Einführung in die Geschichte der Region für den Mitreisenden. Und da wir im Nachgang zum gemeinsamen Kochen verabredet waren, habe ich das Gefährt direkt am Markt platziert und bin nebst Gefährten zum einkauf geschländert.

Der sonst so beschauliche Platz hat sich – wie ich schnell feststellen musste – in eine Großbaustelle verwandelt. Wo sonst örtliche Feinkostverkäuferinnen ihre Köstlichkeiten feilboten, stand jetzt ein riesiger Kran. Der beliebte Bäcker „anna Ecke“ ist einem gähnenden Loch in der Fassade des häßlichen 70-er Jahre Klotzes gewichen und statt der sonst obligatorischen Frühstücker boten sich meinem Auge nur Sandsäcke und Baugerüste.

Die Marktbeschicker sind in die Gassen verwiesen worden und die Käufer müssen sich nun mit ihren Taschen und Körber duchschlängeln. Immerhin wird man da ja dann zwangsläufig auch gesehen.

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2 Gedanken zu “Der Weg ist das Ziel

  1. Ich wurde letztens von einem Herrn, der mitsamt übervoll bepacktem Rad vor dem Eingang zur Baustelle auf einer Decke saß, auf die Umleitung für Fußgänger hingewiesen. Alles nette Leute da…

  2. Ich bin einfach dem Clown gefolgt, der vermutlich von der Stadtverwaltung engagiert wurde um für Stimmung zu sorgen! Also Einfälle haben die!

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